Edith Fischer, 81: „Energisch einschreiten!“

Edith Fischer ist 81 Jahre alt. Ihr Statement ist im Rahmen der Belttunnel-Anhörungen in Lübeck einer von vielen eindringlichen Appellen gewesen:

„Ich bin 81 Jahre alt und ich wohne seit 1944 in Lübeck. Vermutlich kommt meine Liebe zur Ostsee daher, dass ich einfach immer in ihrer Nähe gelebt habe. Die Vorstellung, dass die Ostsee durch die Belttunnel-Baggerarbeiten jahrelang zur trüben Brühe werden würde, ist für mich funerträglich.

Wenn dann noch zu befürchten ist, dass sich die Touristen wegen der gigantischen Baustelle und des Baus der Güterbahntrasse andere Urlaubsziele suchen und damit ein wichtiger Wirtschaftszweig an der Küste und in meiner Heimatstadt Lübeck geschädigt würde, dann muss energisch eingeschritten werden.

Ich nehme das zum Anlass, Ihnen hier auch noch einmal deutlich zu sagen, was ich davon halte, wenn so genannte Staatsverträge geschlossen werden, ohne dass die Folgen für die Menschen in ausreichender Weise berücksichtigt werden. Ich halte so etwas für grob fahrlässig. Es darf sich niemand wundern, wenn sich die auf diese Weise übergangenen Menschen dagegen wehren.

Außerdem muss ich sagen, dass ich es sehr befremdlich finde, wenn sich die dänische Tunnelbaufirma Femern A/S, aber auch die Landes- und sogar die Bundesregierung ständig auf einen Vertrag berufen, der überhaupt nicht mehr aktuell ist. Im Gegenteil: Die Voraussetzungen und das inhaltlich Beschlossene sind absolut überholt:

  • Es soll nämlich keine Brücke mehr gebaut werden, sondern ein Tunnel, für den ein unvorstellbar großer Graben durch den Meeresboden gebaggert werden müsste.
  • Die Eröffnung kann nicht im Jahr 2018 stattfinden, sondern frühestens 2028.
  • Die Fehmarnsundbrücke bleibt nicht bestehen, es ist stattdessen ein Neubau geplant.
  • Für die Schienenanbindung auf deutscher Seite wird nicht erst die Bestandstrasse elektrifiziert und nach 7 Jahren ein zweites Gleis gebaut, sondern es werden gleich zwei Gleise auf 55 km Neubaustrecke gebaut.
  • Die verbindliche Verpflichtung, Tunneleröffnung und Fertigstellung der Schienenanbindung zeitgleich zu begehen, kann angesichts der Konflikte, die in beiden Verfahren aufgetreten sind, überhaupt eingehalten werden. Die fehlende Synchronisierung würde zu vielfältigsten, die region belastenden (Verkehrs-)Problemen führen.
  • Die Verkehrsprognosen, auf denen der Vertrag beruht, sind mindestens überholt, auf jeden Fall zweifelhaft.
  • Die angenommenen Kosten sind bereits vor dem ersten Spatenstich explodiert.

Ich kann alle Gegner dieses Projektes sehr gut verstehen und schließe mich ihrer Forderung an: Der Fehmarnbelt-Tunnel darf nicht gebaut werden!“

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