Belttunnel: ein „CO2-Monster“

Neben den großen Risiken, die beim Bau des Milliarden-Projekts Fehmarnbelttunnel von alten Bomben, Minen und Munition im Meeresgrund ausgehen würden, sind im Rahmen der Belttunnel-Anhörungen in Lübeck auch weitere neue Gefahren- und Risikoquellen offenkundig geworden. So wäre der Belttunnel ein regelrechtes CO2-Monster. Denn der geplante Belttunnel würde Treibhausgasemissionen von insgesamt über 2,2 Millionen (!!!) Tonnen verursachen.

Von diesen 2,2 Millionen Tonnen würden mehr als drei Viertel auf das Tunnelbauwerk inklusive Fahrwege für Autos und Züge zurückgehen. Genauer gesagt: auf die Produktion des benötigten Baumaterials und auf die baustellenbedingten Bagger- und Transportarbeiten. Durch diese Treibhausgasquellen allein würden rund 1,7 Millionen Tonnen freigesetzt. Der Straßen- und Schienenverkehr im Tunnel käme auf einen Anteil von rund einem Siebtel, der Betrieb des Tunnels wäre zu 6 Prozent beteiligt, der Treibhausgas-Ausstoß durch den Unterhalt des Tunnels läge bei unter 1 Prozent.

Entscheidend für den Treibhausgas-Ausstoß des Belttunnels wäre also die Bauphase inklusive Produktion der unvorstellbare großen Menge an Baumaterialien. Diese Zahlen gehen aus dem jetzt veröffentlichten Gutachten des Verkehrsberaters Karlheinz Rößler, Münchnen, im Auftrag des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung hervor.

Karin Neumann, BELTRETTER-Sprecherin: „Deutschland und Dänemark können nicht auf der einen Seite Klimaschützer spielen, aber auf der anderen Seite solch ein CO2-Monster schaffen wollen. Neben vielen anderen Gründen ist dieses ein weiterer gewichtiger, die Baupläne endlich in der Schublade verschwinden zu lassen oder – noch besser – in den Schredder zu stecken.“

Fähren und Jütlandroute klimafreundlicher als Belttunnel

Wenn der Bau des größten Absenktunnels der Welt dagegen unterbliebe, würden nur noch Treibhausgas-Emissionen durch die Stromerzeugung für die vollelektrisch angetriebenen Fähren zur Querung des Fehmarnbelts, durch den Neubau der Fähren als Ersatz für die vorhandenen Schiffe, die zwischen 2033 und 2062 die Grenze ihrer Lebensdauer erreicht haben werden, und durch den verbleibenden Umwegverkehr der Güterzüge auf der Jütlandroute entstehen. In diesem Fall würde sich der Ausstoß an Treibhausgasen auf lediglich rund 450.000 Tonnen belaufen.

Dabei handelte es sich also nur um einen Anteil von rund 20 Prozent an der Treibhausgas-Menge, welche dem Belttunnel insgesamt anzulasten wäre. Der gigantische Belttunnel wäre demnach für einen fünffachen Treibhausgas-Ausstoß verantwortlich. Der Belttunnelbau steht also im vollen Widerspruch zu den Zielen, zu denen sich auch Deutschland und Dänemark bei der Pariser Klimakonferenz 2015 verpflichtet haben. Das Ziel des Klima-Abkommens: den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern, statt ihn zu erhöhen.

Florian Bumm, ebenfalls Sprecher von uns BELTRETTERN: „Ein durch den Ostseeboden gebaggerter Mega-Tunnelgraben, eine sich durch immense Schlick-Aufwirbelungen verdunkelnde Ostsee, Risiken für Unterwasserwelt und Fischbestände und nun noch das Treibhausgas-Risiko: Das kann doch kein Politiker mit seinem Gewissen vereinbaren!“

Erderwärmung fördert Quallenplagen

Wir kommen daher zu dem Schluss, dass der Bau des Belttunnels und sein Betrieb künftig unter anderem auch einen Beitrag zu künftig noch größeren Quallenplagen in der Ostsee leisten würden. Denn die Erderwärmung führt zur Erwärmung der Meere. Und die Erwärmung der Ostsee wiederum begünstigt die Ausbreitung von Quallen.

Cornelia Jaspers, Quallenexpertin am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, in einem Beitrag des Hamburger Abendblatts: „Alle Kreisläufe laufen bei höheren Temperaturen schneller ab. Bei Quallen zeigt sich das durch eine höhere Reproduktionsrate. Wird es wärmer, wachsen die Tiere schneller und vermehren sich früher. Und die Polypen schnüren mehr Nachkommen ab.“

Andere Folgen der Erderwärmung sind gerade aktuell offenkundig geworden.