Millionen Tonnen CO2!

Hier der Appell von BELTRETTERIN Isabel Harling im Rahmen der Belttunnel-Anhörungen in Lübeck:

„In meinen Einwendungen habe ich einen Vergleich der Schadstoffemissionen beim Bau des Belttunnels und beim Ist-Zustand (Fährverkehr über den Fehmarnbelt und Güterzugverkehr über die sog. Jütlandtrasse) gefordert.

Mir wurde geantwortet, dass im deutschen Planfeststellungsverfahren eine auf das globale Klima und Treibhausgasemissionen bezogene Untersuchung nicht vorgesehen sei!!! Es würden mir aber die wichtigsten Aspekte aus dem „CO2-Bericht“ des dänischen Ingenieurbüros COWI A/S „hilfsweise“ weitergegeben. Wörtlich steht in der Erwiderung auf Seite 48:

‚Bei den baubedingten Emissionen ist zu beachten, dass es sich hierbei um ein einmaliges Ereignis handelt, im Gegensatz zu den betriebsbedingten und verkehrlichen Emissionen, die jährlich auftreten. Bei kumulierter Betrachtung führt der Belttunnel zu einer dauerhaften Reduziereung der CO2-Emissionen, so dass sich die baulichen Emissionen amortisieren. Damit steht das Vorhaben im Einklang zu den Leitlinien der Europäiscghen Union, die unter anderem die Reduzierung der CO2-Emissionen zum Zielhaben.‘

Nach dem oben erwähnten „CO2-Bericht“ werden während des Tunnelbaus 1.977.000 Tonnen CO2 (!!!) ausgestossen und für den Betrieb des Tunnels werden zusätzlich 5.900 Tonnen CO2-Ausstoß/Jahr angenommen. Die Einsparungen an CO2-Emissionen pro Jahr beim Betrieb des Tunnels und gleichzeitigem Fährbetrieb sollen 43.000 Tonnen CO2 betragen. Das heißt: In etwa 46 Jahren hätten sich die baulichen und betriebsbedingten Emissionen amortisiert.

ABER: Aus den Unterlagen geht nicht hervor, ob der CO2-Ausstoß des Fährbetriebes mit Hybridfähren berechnet wurde und ob das höhere Aufkommen von Elektrofahrzeugen im Lauf der nächsten Jahrzehnte berücksichtigt wurde. Es ist anzunehmen, dass dem nicht zu ist. Und das bedeutet: Der CO2-Schock beim Bau wird sich erst viele Jahrzehnte später relativieren. Wenn denn überhaupt jemals.

Die EU hat am 11.12.13 in der Verordnung Nr. 1315/2013 des Europäischen Parlamentes und des Rates über Leitlinien der Union für den Ausbau eines transeuropäischen Verkehrnetzes geschrieben:

‚Vorhaben von gemeinsamen Interesse, bei denen eine Unionsfinanzierung angestrebt wird, sollten einer auf einer anerkannten Methodik basierenden sozioökonomischen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden, die die einschlägigen sozialen, wirtschaftlichen, KLIMABEZOGENEN und ökologischen Vorteile und Kosten berücksichtigt.‘

Und: ‚Im Hinblick auf die Schaffung hochwertiger und effizienter Verkehrsinfrastrukturen für alle Verkehrsträger sollten beim Aufbau des transeuropäischen Verkehrsnetztes die Sicherheit und Gefahrenabwehr bei der Personen- und Güterbeförderung, DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN KLIMAWANDEL UND DIE FOLGEN DES KLIMAWANDELS sowie potenzielle Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Katastrophen auf die Infrastruktur und die Zugänglichkeit für alle Nutzer berücksichtigt werden.‘

Die Welt hat sich auf der Klimakonferenz in Paris zum Ziel gesetzt, durch eine Reduktion von Treibhausgasen die Erderwärmung zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Deutschland will eigentlich Vorreiter in Sachen Klimaschutz sein, insbesondere hier in Schleswig-Holstein, aber bei baulichen Großprojekten sollen Tdie gefährlichen Treibhausgase plötzlich keine Rolle mehr spielen?

Ich fordere, dass der Vorhabenträger Femern AS aufgefordert wird, im Rahmen des Planänderungsverfahrens eine nachvollziehbare vergleichende Berechnung der Treibhausgasemissionen ohne und mit Belttunnel inklusive Schienenhinterlandanbindung / Güterzugtrasse für den Zeitraum der geplanten Tunnelnutzung zu präsentieren!

Aber schon jetzt meine ich: Dieser Tunnelbau ist zu riskant. Für Ostsee, Umwelt, Klima und unsere Urlaubsregion. Der Tunnel sollte daher nie gebaut werden!“

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