Zwingend notwendige Debatte: Unser Leserbrief in der dänischen Folketidende

Jetzt ist unser Debattenbeitrag in der dänischen Zeitung FOLKETIDENDE erschienen. Er ist Teil einer Debatte, die wir in Dänemarkt ausgelöst haben. Dass es diese öffentliche Debatte endlich gibt, ist wichtig und gut.

Wir haben den Artikel aufgegriffen und hier wieder für alle Interessierten aus dem Dänischen übersetzt.

Zwingend notwendige Debatte

Die Tageszeitung Lolland-Falsters Folketidende hat vor wenigen Tagen Diskussionsbeiträge von Jens Villemoes, Pressesprecher von Femern A/S, Jens Erik Jørgensen, Vorstandsmitglied der Partei „De Konservative“, sowie Stig Rømer Winther, Direktor von Femern Belt Development, veröffentlicht. Alle drei haben auf unseren Meinungsbeitrag über den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel geantwortet.

Wir finden es gut, dass Autoren dazu beitragen, womöglich auch in Dänemark eine jetzt intensivere Debatte über den – unserer Meinung nach zweifelhaften – Nutzen des Fehmarnbelt-Tunnels sowie seine starken – unserer Meinung nach dramatischen – Konsequenzen für die Umwelt, die Menschen vor Ort und die Zukunft einer ganzen deutschen Urlaubsregion anzustoßen. Denn diese Debatte ist unserer Meinung nach dringend erforderlich.

In Diskussionen über die geplante feste Femernbeltquerung (FFBQ) wird in Dänemark immer wieder die Öresundverbindung als Referenz und „gutes Beispiel“ angeführt. Wir haben Zweifel an der Tauglichkeit dieser Referenz. Am Nutzen dieser Verbindung haben wir unterdessen weniger Zweifel. Es gibt indes ein Aber. Vom Stadtzentrum Kopenhagen soll man – so sagt uns Google Maps – das Stadtzentrum von Malmö jetzt in nur knapp mehr als 40 Minuten erreichen können. Somit sind zwei vitale Citys miteinander verbunden worden. Hiervon profitieren Unternehmen und Arbeitnehmer, die täglich hin- und herpendeln. Mit Blick auf den Fehmarnbelt, wird oft als Argument angeführt, zwei Wirtschaftszentren zu verbinden, nämlich Hamburg und Kopenhagen.

In diesem Fall aber reden wir über eine Distanz von etwa 340 Kilometern (!!!). Das ist ein Vielfaches der Entfernung Kopenhagen – Malmö. Und auf dieser viel, viel größeren Distanz sprechen wir über eine Reduzierung der Transportzeit um 1/5, wohlgemerkt, wenn man unterwegs keine Pause benötigt. Rechtfertigt diese Fahrzeitersparnis wirklich eine Investition von 60-70 Milliarden dänischen Kronen?

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung zum Belttunnel basiert auf uralten Verkehrsdaten. Das Verkehrsaufkommen ist heute geringer. Es ist daher so, als würde man die Versorgung des Landes mit Telefonzellen anhand der Zahl der Festnetzgespräche aus zurückliegenden Zeiten planen. Seitdem hat sich allerhand verändert. Uns wundert daher, dass die dänischen Steuerzahler nicht deutlich mehr Fragen stellen oder gar Kritik üben. Denn: Sie werden im Fall eines – aus unserer Sicht sicheren – unrentablen Betriebs des Belttunnels in Haftung genommen werden. Sie würden für ein unrentables Mega- Projekt einspringen müssen.

Das Argument, die Fähren zwischen Lolland und Fehmarn hätten einen „hohen C02- Ausstoß“ können wir übrigens nicht wirklich ernst nehmen. Zum Bau des längsten Absenktunnels der Welt müssten 19 Millionen Kubikmeter Sand und Kies umgegraben werden und durch die Bauarbeiten würde es zu einem CO2 Ausstoß von mehreren Millionen Tonnen kommen. Das entspricht mehr als 50 Jahren Fährbetrieb. Zu dieser Zeit werden die Fähren im Übrigen bereits längst emissionsfrei betrieben. Wir reden darüber, dass allein für das Waschen von Kies so viel Wasser erforderlich wäre, dass die Frischwasserversorgung der Insel Fehmarn bedroht wäre. Daher wird jetzt offenbar für die Baustelle eigens eine große Meerwasserentsalzungsanlage geplant.

Die Wirtschaftlichkeit sowie die Finanzierung der festen Fehmarnbeltquerung seien ein rein dänisches Anliegen, schreibt Stig Rømer Winter. Ursprünglich handelte es sich bei der Verbindung jedoch um ein deutsch-dänisches Gemeinschaftsprojekt. Da Deutschland aber nicht davon überzeugt war, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts hält, was sie verspricht, entschied Dänemark sich dazu, das Projekt im Alleingag durchzuziehen. Es ist hier nicht die Rede davon, dass unser Nachbar ein Haus auf seinem eignen Grundstück baut, wie Stig Rømer Winter anführt. Unser Nachbar möchte einen Tunnel in unserem Garten bauen!

Vielleicht war die Beltquerung in anderen Zeiten einmal eine gute Idee. Nur: Die Zeiten haben sich geändert. Und eigentlich müsste man komplett neu darüber nachdenken. Aber man hat ja bereits mehrere Milliarden dänische Kronen alleine in die Vorbereitungen investiert. Es ist doch skurril, dass eine quasi staatliche Firma wie Femern A/S in Deutschland und Dänemark hohe Budgets investiert, um die Politiker und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Projekt eine gute Idee sei. Vielleicht zeigt auch wegen dieser Eigendynamik kaum ein Politiker das Rückgrat, einmal den Pause- bzw. Reset-Knopf zu drücken. Wahrscheinlich wird dies erst passieren, falls mehr und mehr dänische Steuerzahler dies einfordern. Schließlich geht es um ihr Geld.

Das deutsche Planfeststellungsverfahren hat offenbart, dass die Planfeststellungsunterlagen von Femern A/S bei weitem nicht den formalen und technischen Kriterien entsprechen, mit denen wir in Deutschland arbeiten. Wir können uns daher nur der Aufforderung des Landes Schleswig-Holsteins anschließen, die Qualitätssicherung zu verschärfen.

Wir sind übrigens keine fanatischen Umweltschützer. In unseren Reihen finden sich unzählige Unternehmer. Und die haben wir einmal befragt. Keiner, wirklich keiner von ihnen würde in das Bauprojekt Feste Fehmarnbeltquerung investieren wollen. Viel zu groß sei das Risiko, dass sich das Investment niemals bezahlt macht.

Die BELTRETTER –

eine Bewegung aus 60 Gemeinden, Initiativen und Unternehmen in Norddeutschland