Offener Brief an unsere dänischen Nachbarn

In Dänemark ist jetzt unser offener Brief an unsere dänischen Nachbarn erschienen. Die Zeitung „Lolland-Falsters Folketidende“ hat ihn veröffentlicht. Unser Ziel ist es, auch in Dänemark für eine neue und offene Diskussion über das stark umstrittene und Milliarden teure Mega-Projekt Belttunnel zu sorgen.

Denn im Vergleich zu Deutschland gibt es in Dänemark bislang deutlich weniger Widerstand. In dem Brief bitten wir daher die dänische Öffentlichkeit und Regierung, das Projekt neu und kritisch zu betrachten.

Der Inhalt unseres offenen Briefs:

Liebe dänische Nachbarn,

wir respektieren Euch. Wir mögen Euch. Sehr sogar. Wir machen gerne Urlaub in Euren Ferienhäusern. Wir besuchen unglaublich gern Kopenhagen. Wir lieben Eure Art und Gelassenheit. Wir wären manchmal gerne selbst Dänen. In einer Sache aber sind wir uneins. Und wir bedauern, dass Ihr unsere Meinung hier nicht ernst nehmt. Es geht um den von der dänischen Regierung geplanten Fehmarnbelt-Tunnel.


Unsere Vermieter hier sorgen sich wegen Europas wohl gefährlichster Baustelle mitten in einer beliebten Urlaubsregion. Viele Landwirte sind verzweifelt, weil ihnen Land genommen wird. Unsere Fischer sorgen sich, dass sie künftig weniger Fisch fangen, und Umweltexperten sorgen sich um eines der empfindlichsten Meere der Welt, dessen Boden für den Belttunnel auf einer Länge von 18 Kilometern tief und breit aufgerissen würde. Die mit Schwermetallen und Düngemittel belasteten Sedimente würden weithin aufgewirbelt werden und die Ostsee verdunkeln. Und dann gibt es die vielen lärmenden Güterzüge, die künftig jeden Tag über unsere Insel Fehmarn rasen würden.


Bereits etwa 80.000 Deutsche haben bei einer Unterschriftenaktion gegen dieses Mega-Bauwerk mitgemacht. Sie alle treiben Ängste und Sorgen, die bislang von der dänischen Tunnelbaufirma Femern A/S leichtfertig abgetan wurden.


Niemand hat Erfahrung mit dem Bau eines solch langen Absenktunnels. Eine penible, äußerst detaillierte Planung ist darum absolut von Nöten. Schließlich kann enorm viel passieren. Nichtsdestotrotz legt Femern A/S eine erschreckende Nachlässigkeit an den Tag. Das Land Schleswig-Holstein hat kürzlich in den Planungsunterlagen 307 zum Teil drastische Planungsmängel gefunden und sie gerügt. Daraufhin hat das Land bei Femern A/S eine bessere Qualitätssicherung angemahnt.


Es geht hier schließlich nicht um den Bau eines bloßen Geräteschuppens. Jedem anderen Planer, der so oft so viele dramatische Fehler machen würde, würde man das Vertrauen entziehen und sich flugs von ihm trennen. Femern A/S aber macht weiter. Die dänische Regierung sieht das Problem nicht oder aber sie wird bewusst falsch informiert.


Der Belttunnel wird sich wahrscheinlich nie rechnen. Wir finden es äußerst eigenartig, dass Ihr euch dazu entschieden habt, so massiv am Ende einer der verkehrsärmsten Autobahnen Dänemarks zu investieren. Das ist eigentlich nicht unser Problem. Aber: Der dänische Steuerzahler wird einspringen müssen. Femern A/S versuch nun, das Budget gegenüber dem Folketing unter Kontrolle zu halten, indem die Bauzeit verlängert wird. Wer aber hat beim Bau des eigenen Hauses schon mal davon gehört, dass der Bau günstiger wird, wenn man nur länger baut?


In aller Freundschaft bitten wir Euch daher um eines: Betrachtet dieses Mega-Projekt noch einmal ganz kritisch und neu.


Eure BELTRETTER.

Eine Bewegung aus 60 Organisationen, Gemeinden und Unternehmen im Norden Deutschlands.

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