Der Belttunnel: Ein vergiftetes Geschenk

Der Leserbrief zum unsinnigen Mega-Projekt Belttunnel – jetzt im Fehmarnschen Tageblatt. Mit allerlei spannenden Hintergrundinfos.


Der Belttunnel ist nicht einfach ein Geräteschuppen

Der geplante Fehmarnbelt-Tunnel wäre der längste Unterwassertunnel der Welt. Ein solch monströses Bauwerk hat es noch nicht gegeben. Nirgendwo auf der Welt. Niemand hat es bislang gebaut. Es fehlt jedwede Erfahrung. Gerade deshalb wäre eine penible, eine detailversessene Planung erforderlich. Schließlich kann enorm viel passieren. Der Tunnel würde in einer der meist befahrenen Schifffahrtsstrassen der Welt gebaut werden. Und inmitten eines der empfindlichsten Meere dieser Erde. Aber die Tunnelplaner der dänischen Staatsfirma Femern A/S legen eine erschreckende Laxheit an den Tag. Das Land Schleswig-Holstein hat kürzlich in den Planungsunterlagen 290 zum Teil drastische Planungsmängel gefunden und sie gerügt. Daraufhin hat das Land bei den Dänen eine bessere Qualitätssicherung angemahnt.

Bitte? Kann das sein? Es geht hier ja schließlich nicht um den Bau eines Geräteschuppens. Es geht um eine der größten und wohl riskantesten Baustellen Europas. Würde man ein Einfamilienhaus bauen wollen und der Planer würde so oft so viele dramatische Fehler machen: Man würde ihm das Vertrauen entziehen und sich flugs von ihm trennen. Femern A/S aber darf weiter wurschteln. Die dänische Regierung sieht das Problem nicht oder aber sie wird bewusst falsch informiert. Wir aber können die Sache gemeinsam stoppen. Noch bis zum 26. August sollte jeder seinen persönlichen Widerspruch gegen dieses waghalsige Mega-Projekt geltend machen. Ganz einfach über diese Internetseite: beltretter.de/widerspruch

Schließlich geht es ja auch nicht nur um den Belttunnel. Es geht auch um die damit zusammenhängende Güterbahnschneise durch Ostholstein und über Fehmarn: Alle 20 Minuten ein fast 1 Kilometer langer und immens lauter Güterzug! So die Planung.

Indes begegnen uns immer wieder diese „Argumente“, warum eigentlich nichts mehr gegen den Tunnel zu machen sei:

+ „Es gibt ja den Staatsvertrag. Das ist beschlossene Sache.“

Nun, die Bundesrepublik Deutschland hat nicht nur einmal einen Staatsvertrag geschlossen, der dann nicht eingehalten wurde. Zwischen Staaten geht’s eben nicht immer zu wie zwischen Landwirten, bei denen schon der einfache Handschlag absolute Gültigkeit hat.

+ „Die Bundesregierung will den Tunnel.“

Nun, das stimmt nicht. Die hat ihn nie gewollt. Der damalige Bundesverkehrsminister Tiefensee versuchte damals einen Trick, um sie zu verhindern. Der aber ging nach hinten los. Tiefensee sagte den Dänen, um die Querung zu verhindern: „Ihr dürft die feste Beltquerung gerne bauen, müsst sie aber alleine bezahlen.“

Tiefensee erwartete, dass die Dänen, die die Kosten eigentlich teilen wollten, das Vorhaben nun stoppen würden. Klappte aber nicht. Die Dänen gingen auf seine Forderung ein und machten weiter.

+ „Die Dänen zahlen den Tunnel schließlich allein. Ist ja wie ein Geschenk.“

Nun, das stimmt nicht. Wir Deutschen werden ihn über die Maut mitfinanzieren. Und wir zahlen einen großen Teil der EU-Zuschüsse zum Tunnel. Und dann sind da noch die deutschen Steuergelder für die so genannte Hinterlandanbindung. Das Geld wäre viel dringender erforderlich für die Instandhaltung tausender deutscher Brücken und Strassen. Und uns gingen zudem womöglich die Arbeitsplätze bei der Fähr-Reederei Scandlines verloren und Fehmarn damit allerhand Steuereinnahmen. Der Tunnel wäre ein vergiftetes „Geschenk“. Der Bau bedroht die Ostsee, unsere Region, unsere ganze Insel.

+ „Der muss kommen. Er wird die Metropolen Hamburg und Kopenhagen miteinander verbinden.“

Nun, das stimmt nicht. Die meisten Geschäftsleute aus Hamburg fahren ja auch nicht mit dem Auto nach zum Beispiel Düsseldorf. Sie nehmen das Flugzeug. Das würde auch zwischen Hamburg und Kopenhagen so bleiben. Selbst wenn es einen Belttunnel gäbe. Das einzige, das neu wäre: Alle 20 Minuten ein höllisch lauter und fast 1 Kilometer langer Güterzug.

Verrückt, oder? Auf deutscher Seite will eigentlich keiner den Tunnel. Und eigentlich braucht ihn auch keiner. Aber kaum ein Politiker sagt das offen. Damit die Dänen ihr Gesicht nicht verlieren. Nun, dann braucht es wohl uns alle. Machen Sie mit!

Karin Neumann, Rainer Ackermann, Dr. Angelika Wenner-Binding, Mirko Kaminski

von der Initiative Bewahrt Fehmarn!

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